Justizministerin Bernhardt spricht mit Pogrom-Opfern

33 Jahre nach der Gewalt von Lichtenhagen versicherte Ministerin Jacqueline Bernhardt: „Wir bekämpfen Rassismus mit aller Härte.“

Justizministerin Jacqueline Bernhardt (rechts) mit der Integrationsbeauftragten Jana Michael (links) im Gespräch mit Pogrom-Opfern und Verbänden. @JM Details anzeigen
Justizministerin Jacqueline Bernhardt (rechts) mit der Integrationsbeauftragten Jana Michael (links) im Gespräch mit Pogrom-Opfern und Verbänden. @JM
Justizministerin Jacqueline Bernhardt (rechts) mit der Integrationsbeauftragten Jana Michael (links) im Gespräch mit Pogrom-Opfern und Verbänden. @JM
Justizministerin Jacqueline Bernhardt (rechts) mit der Integrationsbeauftragten Jana Michael (links) im Gespräch mit Pogrom-Opfern und Verbänden. @JM
Nr.30/25  | 01.04.2025  | JM  | Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz

„Es ist mir ein großes Bedürfnis, Opfer des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen vor 33 Jahren hier im Ministerium begrüßen zu dürfen. Der Anlass für den Besuch der Delegation sind Lesung im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Leider begegnet uns Rassismus weiterhin im alltäglichen Leben, auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Schule, in Worten, Taten und Strukturen. Noch immer werden Menschen wegen ihre Hautfarbe, Herkunft, Sexualität, Religion oder ihres Namens ausgegrenzt. Dagegen anzukämpfen, bleibt hochaktuell. Rassismus ist immer auch ein Angriff auf unsere Demokratie. Diese Demokratie basiert hier in Mecklenburg-Vorpommern seit 35 Jahren auf dem Grundgesetz. Daher ist es umso wichtiger, Rassismus als Angriff auf Freiheit und Menschlichkeit mit aller Härte zu bekämpfen“, sagt die Ministerin für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz Jacqueline Bernhardt beim Besuch einer Delegation Überlebender des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen im Ministerium.

„Der rassistische Übergriff vor 33 Jahren war ein dunkles Kapitel in der Geschichte unseres Landes. Hass und Gewalt wüteten in Rostock-Lichtenhagen. Die Gewalt war gegen friedliche Menschen gerichtet, die bei uns Zuflucht suchten und die das Recht auf ein sicheres Leben in Frieden und Würde verdient hatten. Ich bin dankbar für den Dialog, den wir seit Jahren mit den Opfern des Pogroms führen. Als Ministerium zeigen wir, dass wir Hass, Hetze und Gewalt entschlossen entgegentreten. Als Ministerium sind wir daher im November 2024 der ‚Koalition gegen Diskriminierung‘ beigetreten. Darüber hinaus widmet sich im Ministerium der Aufbaustab der Antidiskriminierungsstelle dem im Grundgesetz verankerten Recht auf Gleichbehandlung. Diese Arbeit richtet sich gegen jede Form von Diskriminierung und soll Strategien entwickeln, wie der Abbau diskriminierender Strukturen künftig gelingen kann. Es geht um drei Punkte: Diskriminierung erkennen, Diskriminierung bekämpfen sowie Diskriminierung vorbeugen“, so Ministerin Jacqueline Bernhardt.

„Antidiskriminierung ist ein Thema aller, also für uns ein Querschnittsthema innerhalb von Politik und Verwaltung. Darüber hinaus wollen wir noch stärker und permanent mit betroffenen Gruppen und deren Unterstützern im Gespräch sein. In Lichtenhagen haben Sinti und Roma mit der vietnamesischen Community dasselbe Schicksal geteilt. Unterschiedliche Dynamiken haben einen engen Austausch bisher jedoch verhindert. Wir wollen es schaffen, dass sich betroffene Gruppen besser vernetzen können. Antidiskriminierung schließt auch den Kampf gegen Antiziganismus ein. Das waren wir uns im letzten Jahr auf einer Veranstaltung in Rostock mit den Verbänden einig. Das erreichen wir nur, wenn in ganz Deutschland miteinander gesprochen wird. Dafür brauchen wir natürlich auch die Mitarbeit der Verbände der Sinti und Roma, insbesondere auch ressortübergreifend mit dem Sozialministerium. Daher bin ich der Integrationsbeauftragten Jana Michael dankbar für diesen Austausch“, sagt die Ministerin für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz Bernhardt beim Besuch der Delegation von Opfern des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen.

Mehrere Tage dauerten die Angriffe auf ehemalige Vertragsarbeiterinnen und –mitarbeiter aus Vietnam und Asylsuchende in Lichtenhagen. „Die rassistische Gewalt gilt heute als das größte Pogrom der deutschen Nachkriegsgeschichte“, betont die Integrationsbeauftragten Jana Michael. „Dass viele Betroffene des Pogroms von Lichtenhagen Rom:nja waren, ist den meisten aber unbekannt“, so Michael. Ihre Stimmen seien im Gedenken an das Pogrom in Lichtenhagen lange nicht gehört worden. Dank der Initiative des Rostocker Vereins Soziale Bildung entstand gemeinsam mit der Landeszentrale für Politische Bildung MV das Buch „Wir entkamen auf eigene Faust“. Es enthält die Berichte von sechs Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Rom:nja-Communitys im Süden Rumäniens, die als Asylsuchende die rassistische Gewalt in Lichtenhagen erleben mussten. Sie erzählen von der Migration nach Deutschland, der Selbstrettung aus dem brennenden Sonnenblumenhaus und ihren Forderungen für die Gegenwart. „Dieses Buch eignet sich sehr gut für eine Behandlung des schwierigen Themas in Schulen und Projekten – auch weil begleitende Aufsätze Informationen zum historischen Kontext des Pogroms in Lichtenhagen geben und die Erinnerungen einordnen“, ruft Jana Michael zu einer aktiven Auseinandersetzung mit einem der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Landes.